Frauen im Beruf: Die Inkompetenz-Falle

Das wird nicht der x-te Artikel darüber, wie schwer es Frauen im Beruf doch haben. Weil sie ja Kinder bekommen könnten und deswegen am liebsten sowieso nicht eingestellt werden. Weil Vorgesetzte sie deswegen, wenn sie schon eingestellt sind, mit weniger wichtigen Projekten beauftragen oder man ihnen weniger Geld für die gleiche Leistung bezahlt. Oder weil man ihnen zu wenig zutraut.

Vielmehr will ich den Finger direkt in die Wunde legen, die viele am meisten schmerzt – und an der Frauen im Beruf am ehesten selbst was ändern können. Ein großes Problem ist nämlich vor allem: Ihr traut euch selbst zu wenig zu!

Ja, es gibt die gläserne Decke und es gibt unfaire und erschwerende Umstände. Aber im Kampf dagegen nutzen viele von uns unsere Ressourcen zu wenig. Viel zu wenig! Manche Frauen tun es, doch das könnten noch viele mehr sein.

Wir können das nämlich: Uns vernetzen, Frauen-Bündnisse eingehen, uns gegenseitig helfen und Erfahrungen austauschen. Mentorinnen sein oder uns welche suchen und uns so stärken, dass wir aus der ewigen Opferrolle herausfinden.

Denn die Opferrolle liegt meistens ganz tief in uns, nämlich in dem, wie wir sozialisiert sind. Frauen ist es sehr oft anerzogen oder zumindest gesellschaftlich vermittelt, dass sie zurückstecken müssen. Dass es „unweiblich“ ist, auf den Tisch zu hauen oder aggressiv und laut zu sein – ja vielleicht auch, Selbstbewusstsein dazu zu nutzen, an manchen Stellen mangelnde Kompetenz zu überblenden (hier ein leider viel zu wahrer Artikel über inkompetente Männer im Job).

Weil wir denken, wir können weniger als Männer

Wir können uns natürlich noch etwas vormachen, solange wir noch studieren. Sobald es aber hinausgeht in die harte Arbeitswelt, schlagen brutale, angelernte Mechanismen zu. Allen voran das Impostor-Syndrom! Das ist der größte Übeltäter und er hängt uns Frauen im Beruf wie ein Klotz am Bein.
Das Impostor-Syndrom besagt vereinfacht, dass man sich ständig vorkommt wie eine Blenderin, also jemand, der seine Kompetenz nur vortäuscht und in Wirklichkeit nichts kann. Kommt dir bekannt vor? Willkommen im Club, das Impostor-Sydrom ist ein unter Frauen im Beruf weit verbreitetes Phänomen. Nicht, dass Männer nicht auch unter ihm leiden, es ist nur unter Frauen häufiger (dazu ein Artikel in der Wirtschaftswoche und auf Wikipedia).

Wir sind also in der Berufswelt dank gläserner Decke und immer noch weit verbreitetem Rollendenken ohnehin schon benachteiligt. Und dann kommt dieser psychologisch enorm mächtige Faktor dazu: Wir zweifeln selbst an unseren fachlichen Fähigkeiten. Da schließt sich der Kreis. Denn wer sich diesen Versagensängsten nicht stellen will (und das ist unbequem), kann sich perfekt in eine Rolle zurückziehen, in der man sich mit beruflichem Weiterkommen nicht auseinandersetzen muss. Und gleichzeitig kann man auch aus der Deckung auf das System schimpfen.

Wir lähmen uns ein Stück weit selbst, wenn wir einfach hinnehmen, dass wir (vermeintlich) eben nicht so viel können, oder nicht gegen andere bestehen können. Natürlich muss nicht jede*r beruflich total durchstarten. Aber viele wollen zumindest ein bisschen erfolgreich sein und ihre Selbstwirksamkeit dadurch stärken. Sie tun es aber nicht, weil sie sich nicht trauen – oder sich nicht genug zutrauen.

Ich kann aber wirklich nicht viel – was tun?

Wir sind also überzeugt, dass wir fachlich den meisten anderen Menschen nachstehen – vor allem vielen Männern, denen wir im Beruf begegnen. Selbst wenn wir rational wissen, dass wir genau so viel können wie unsere Mitstreiter*innen, fühlt es sich nicht so an. Und das, obwohl Frauen durchschnittlich bessere Studienabschlüsse und mehr fachliche Qualifikationen auf dem Papier mitbringen. Wenn wir das so nicht mehr hinnehmen wollen, müssen wir dringend etwas ändern.

Womit können wir unsere Situation und die von anderen Frauen im Beruf verbessern? Welche kleinen Tricks und Tipps helfen uns dabei?

Eine kleine Anleitung

  • Sei davon überzeugt, dass du keineswegs alleine mit diesem Problem bist. Viele Frauen im Beruf kämpfen mehr oder weniger stark mit diesen nagenden Zweifeln und viel zu viele lassen sich davon lähmen oder in eine Schreckstarre verbannen, aus der es nicht leicht ist, wieder auszubrechen.
  • Mach dich auf einen immer währenden Kampf mit dir selbst gefasst. Alle, auch noch so erfolgreiche Business-Größen, kämpfen permanent mit ihren Unsicherheiten. Akzeptiere sie, sie gehören dazu, aber du musst gleichzeitig lernen, sie in Schach zu halten.
  • Mach dir klar, was du kannst, ganz konkret. Mach dir eine Liste mit all den Dingen, die du schon geschafft hast. Schreib auch Kleinigkeiten auf! Gerade viele Männer, die als besonders erfolgreich und selbstbewusst gelten, würden auch ihre kleinen Erfolge mitzählen und sich darauf berufen.
  • Wenn dir das schwerfällt und du felsenfest der Überzeugung bist, nichts zu können: Mach ein Coaching, das konkret an diesen Selbstzweifeln arbeitet. Manchmal sind solche Überzeugungen so tief eingebrannt, dass man sie nicht durch reine Reflexion wegbekommt. Das muss und darf so nicht sein. Such dir am besten einen weiblichen Coach, eine, die dir sympathisch ist und die mit dir auf einer Wellenlänge liegt. (Übrigens ist Coaching keine Psychotherapie und soll diese auch nicht ersetzen.)
  • Wenn dir fachliche Qualifikationen fehlen, an die du dich aus Angst und Selbstzweifel nicht dran gewagt hast: Hol sie nach, arbeite daran, sei ehrgeizig, aber nicht verbissen. Du wirst diese Kompetenzen besitzen, mit etwas Arbeit und Geduld. Und „fertig“ bist du sowieso nie – niemand ist das. Lerne weiter, sei offen, selbstkritisch, aber auch optimistisch.
  • Suche dir Frauen im Beruf, mit denen du dich verbünden kannst. Das können Kolleginnen sein, vielleicht sogar Vorgesetzte, oder Frauen aus der gleichen Branche. Suche auf branchen-eigenen Foren und Communities nach Anschluss. Aber schau ruhig auch über den Tellerrand hinaus und suche branchenübergreifend nach Frauen-Runden. Wichtig ist: Tausche dich aus und schmiede Netzwerke! Du wirst sehen, dass du mit deinen Selbstzweifeln und deiner eingeschränkten Selbstwirksamkeit nicht allein bist.
  • Wenn du mit anderen Frauen zusammenarbeitest, denen du vorgesetzt bist, oder die jünger und unerfahrener sind als du: Sieh dich als Mentorin. Nimm sie unter deine Fittiche, auch wenn du selbst noch nicht das Gefühl hast, das leisten zu können. Du wirst in diese Rolle hineinwachsen und unheimlich viel daraus lernen. Und gleichzeitig sehr viel weitergeben.
  • Sprich mit Männern, denen du vertraust. Stelle ruhig fest, dass sie manchmal auch starke Selbstzweifel haben. Viele gehen nur anders damit um, überspielen sie oder nehmen sie einfach als normal hin, ohne sich zu sehr von ihnen hemmen zu lassen.

 

Ansonsten hilft nur: Dranbleiben, stolpern und wieder hinfallen, immer wieder über den eigenen Schatten springen und weiterkämpfen!

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